Die umfassende Wirkungsweise von Yogaübungen

Wie wirken eigentlich Yogaübungen auf die verschiedenen Bereiche des Körpers, auf die Lebenskräfte, wie auch auf das psychische und seelisch-geistige Leben des Menschen?

Die Wirkungen auf den Körper
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Das Yogaübungen sehr umfassend auf den ganzen Menschen wirken können, ist sicherlich eine faszinierende Signatur dieser eleganten Übungsweise. Dabei ist von Anfang an zu betonen, dass es wichtig ist, dass die Übungen (Asana) sorgfältig unter fachkundiger Anleitung erlernt und praktiziert werden, weil man zwar mit Yoga einen kranken Rücken heilen aber ebenso einen gesunden Rücken ruinieren kann, um es einmal drastisch auszudrücken. Der Praxis von verschiedenen Körperübungen des Yoga liegen sehr viele und umfassende Gesetzmäßigkeiten zugrunde und es ist von großem Wert, wenn ein guter Lehrer diese kennt und berücksichtigt.
Im Körper gibt es eigentlich keinen Bereich der nicht durch die Praxis von Yogaübungen einen profunden Nutzen ziehen würde. Natürlich wird der Bewegungsapparat mit seinen Muskeln, Bändern, Knochen und Sehnen umfassend angesprochen, Bandscheiben werden entlastet und in ihrer Regenerationskraft angeregt. Die ganze Beweglichkeit nimmt zu und der Lymphffluss wie auch die Ausscheidungsprozesse im Gesamten werden angeregt. Das Nervensystem erfährt eine deutliche Entlastung und Kräftigung, das Vegetativum wird beruhigt und harmonisiert. Das gesamte Herz-Kreislaufsystem und die verschiedenen Organleistungen werden angeregt und ausgeglichen. Ähnliches gilt für das Hormonsystem. Ganz wesentlich werden auch der Atem und die Lunge heilsam durch die Übungsweise beeinflusst. Tatsächlich hat fast jeder Mensch heute eine Fehlatmung und neigt zu unbewussten Fixationen und Verkrampfungen. Der Atem stellt eine tiefe Brücke zum Seelenleben des Menschen dar.
Die Wirkungen auf die Lebenskräfte

Praktiziert der Yogaübende einige Körperübungen in rhythmischem Wechsel mit ihren spezifischen Haltezeiten und freier Atmung, so bringt er weiterhin ein intensives Kräftefließen in Bewegung, welches für den Yoga sehr charakteristisch ist. Viele kennen dies als sogenannten Flow, als ein fließendes Gefühl von Leichtigkeit, Ruhe und Sammlung. Es sind dies sogenannte Pranakräfte, die durch die verschiedenen Asana (Yogaübungen) angeregt und ins Fließen gebracht werden. Dies erlebt der Einzelne als harmonisches und gesundheitsstärkendes Wohlgefühl und bildet für viele unbewusst wohl das primäre Motiv des Yogaübens. Tatsächlich wirkt die Anregung dieser Prana- oder Ätherkräfte stabilisierend und stärkend auf das Immunsystem, wie auch ganz besonders regenerativ auf unser psychisches Wohlbefinden. Durch fehlende Bewegung, einseitige intellektuelle Anforderungen und sonstige Belastungssituationen des Alltags neigt der Körper zur Verhärtung und die Lebenskräfte beginnen wie in einem Gewässer, dass keinen Zu- und Abfluss mehr hat ihre Lebendigkeit einzubüßen und sich zu stauen. Hier wirkt die achtsame Übungspraxis mit Yogaasana gezielt und heilsam entgegen.
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Eine Yogaübung wirkt - richtig ausgeführt - immer umfassend auf die körperliche, energetische und mentale Ebene des Menschen.
Die Wirkung auf das Seelen- und Bewusstseinsleben
Der Einfluss des Yogaübens auf unser Seelenleben wird heute noch sehr wenig differenziert betrachtet. Meist geben wir uns mit den harmonisierenden und ausgleichenden Wirkungen einer Yogapraxis zufrieden. Die Übungen spenden in der Folge Ruhe, Innerlichkeit und fördern allgemein die Kraft zur Konzentration und Sammlung. Dies geschieht wie oben erwähnt durch die Anregung der Pranakräfte. Da aber in unserer gegenwärtigen Zeit der Begriff der Seele eigentlich nur mit dem Harmonieempfinden unseres Gemütes gleichgesetzt wird, haben wir ein tieferes Verständnis für die eigentliche profunde Bedeutung der Seele und ihre Entwicklung verloren.

So wie unser Körper ein komplexes Gebilde an Muskeln und Nerven besitzt, so können wir uns vorstellen, dass ebenso unser Bewusstsein konkrete seelische Kräfte und Sinnesorgane besitzt, die auf ihre Entwicklung warten. Überhaupt ist die Sehnsucht nach Entwicklung, Wandlung, Reife und tieferer authentischer Verbindung mit den verschiedenen Ebenen die das Leben bietet ein Grundklang unserer Seele. Wir haben vergessen, dass die Seele etwas ist, das herangebildet, geübt, entfaltet und erweitert werden möchte. So besitzen wir konkrete seelische Kräfte und diese sind das Denken, Fühlen und Wollen und sie können als schöpferische Instrumente unseres Seins geschult und gestärkt werden. Nur kann man die Seelenkräfte niemals passiv durch eine körperliche Technik oder durch suggestive Wortformeln etc. heranbilden. Hier ist die für unsere heutige Zeit fast verloren gegangene Übung einer Aktivität im Denken, Fühlen und Wollen nach sorgfältigen Lernschritten von Bedeutung.

Hiermit ist keinesfalls ein intellektuelles Denken, noch ein emotionales Fühlen gemeint. Vielmehr handelt es sich um eine Art Training unserer seelischen Grundkräfte. Diese Übungen berücksichtigen keinerlei äußere Erfolgsmaßstäbe, sondern vielmehr innere Gesetzmäßigkeiten unseres Seelen- und Bewusstseinslebens.


Die Wirkung auf das Selbst oder den Wesenskern des Menschen
Die Überschrift ist eigentlich nicht richtig gewählt, weil die Körperübungen diesen unseren faszinierenden und real existierenden Wesenskern unserer Individualität niemals wirklich berühren können. Wir tangieren hier tatsächlich eine geistige Ebene, die ursprünglich allem Yoga als tiefstes Motiv zugrunde lag, dieses Selbst in die Geburt unserer Wahrnehmung zu führen und freier von den rein irdischen Abhängigkeiten zu werden. Tatsächlich spielt diese Selbst- oder Schöpferkraft eine große und wichtige Bedeutung in einem zeitgemäßen Yogaverständnis. Viele Missverständnisse und Irrtümer aber liegen der Annäherung diesem höchsten Wesensglied des Menschen zugrunde. Auf ganz einfache Weise läßt sich sagen, dass diese Ebene des sogenannten Selbst auf die Yogapraxis bezogen stärkend und erfahrend berührt wird, wenn der Übende lernt sich aktiv mit der tieferen seelisch-geistigen Sinnbedeutung einer Yogaübung auseinanderzusetzen. Er bleibt dann nicht mehr nur Praktizierender einer reinen Körperübung, sondern erfährt, dass man sich mit einer Yogaübung und ihrer seelisch-geistigen Dimension auch konkret auseinandersetzen und daran wachsen kann. Er beginnt auf ästhetisch-künstlerische Weise eine seelisch-geistige Gesetzmäßigkeit und Wirklichkeit in der Übung entdecken zu lernen. Das Üben bleibt dann nicht mehr nur körperliches Üben, sondern es wird zu einer schöpferischen Gabe in Liebe zu einer geistigen Wirklichkeit, die verborgen hinter der irdischen Form auf ihre Entdeckung wartet. Es ist dies ein sehr konkretes und auch außen gerichtetes Lernen. Der Praktizierende muss vielmehr lernen seine eigenen, kleinlichen Ansprüche und Erwartungen zurückzustellen.
Das Selbst ist innerste Wärme und eröffnet ein unvergleichliches Selbstgefühl, welches des Gegenteil von allem Egoismus ist. Man erlebt sich zutiefst in sich selbst gegründet als Individualität und gleichzeitig die Wahrnehmung untrennbar mit dem Außen, den Mitmenschen und dem Kosmos verbunden zu sein.